Lesende Schule
Die Grips-Kinder wollen lesen (können)
Beschreibung des Profils „Lesende Schule“ (Entwicklungsstand November 2006)
„Mit Schreiben und Lesen fängt eigentlich das Leben an.“
Aus Mesopotamien, 4.-5. Jahrhundert n. Chr.
Warum gerade dieses Profil?
Lesen stellt eine unvergleichliche Schlüsselkompetenz dar:
Lesen ist Voraussetzung für lebenslanges, erfolgreiches Lernen
und bildet eine Grundlage für einen sicheren Umgang mit den
verschiedensten Medien.
Die Grundschule bildet die Basis für die erfolgreiche
Entwicklung von Lesekompetenz und hat somit eine besondere
Verantwortung, denn uns ist bewusst, dass Schulerfolg stark von der
Lesefähigkeit des einzelnen Kindes abhängig ist.
Zukunftsforscher gehen davon aus, dass Kinder von heute bis zu drei
Berufe lernen und ausüben werden, teilweise Berufe, deren
Namen wir heute noch nicht kennen. Zum Erlernen dieser Berufe ist eine
gut ausgebildete Lesekompetenz der Schlüssel. Wer
schlechter liest, hat jetzt und in der Zukunft Chancennachteile.
Die Ergebnisse der großen Vergleichsstudien haben auch die
Kolleginnen und Kollegen unserer Schule sehr nachdenklich gemacht. Im
Zusammenhang mit diesen Untersuchungen wurde festgestellt, dass gerade
Kinder aus sozial schwachen Familien und Kinder nichtdeutscher
Herkunftssprache besonders schwache Ergebnisse im Bereich Lesekompetenz
erreicht haben.
Dies führte in der Grips-Grundschule zu einer Diskussion und
zu dem Vorhaben, Leseförderung zu einem zentralen Punkt der
pädagogischen Arbeit zu machen.
Die vier Säulen unserer „lesenden Grips-Grundschule“
Die Grips-Grundschule geht davon aus, dass ihre „lesende Schule“ auf folgenden vier Säulen „steht“:
- Lesen im Deutschunterricht
- Lesen in allen Fächern
- Lesekultur
- Kooperationen mit (Lese)Partnern
Innerhalb dieser vier Säulen verfolgt das Kollegium verschiedene Anstrengungen, um die Lesekompetenz ihrer Schülerinnen und Schüler, besonders auch der Migrantenkinder erfolgreich zu entwickeln.
1. Lesen im Deutschunterricht
„Lesen bedeutet, Vorstellungen und Wissen zu erweitern. Es bereitet Vergnügen, regt die Fantasie an und fordert zur Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit heraus. Es ermöglicht den Zugang zu den Erfahrungen und Gefühlswelten anderer. Damit trägt Lesen zur Identitätsentwicklung der Schülerinnen und Schüler bei.“ (Rahmenlehrplan Deutsch Grundschule, S. 28)
Der Deutschunterricht ist das zentrale Fach für die Vermittlung von Lesekompetenz. Er bietet die Basis, auf der in den anderen Fächern jedoch weitergearbeitet werden muss. Der Deutschunterricht setzt im Bereich Lesen folgende Schwerpunkte:
Entwicklung von Leseinteressen
Dem Anbahnen, Entwickeln und Aufgreifen der Leseinteressen unserer Schülerinnen und Schüler kommt eine wichtige Rolle zu, wissen wir doch, wie eng Lesemotivation und Leseerfolg zusammenhängen. Daher gehört Vorlesen zu den festen Unterrichtsritualen. In der Schuleingangsphase nutzen wir zudem Familien-Leserollis (in den beiden Lerngruppen jeweils zwei Rollis, die mit zwölf Medien bestückt sind), die im Laufe des ersten Schulbesuchsjahrs zu jeder Familie „rollen“ und dort zum gemeinsamen Schmökern und Betrachten einladen. Die Lehrerinnen stoßen die Entwicklung in den verschiedenen Klassenstufen an, indem sie
- freie Lesezeiten in Leseecken, die Gelegenheiten zum individuellen „selbstvergessenen Lesen“ bieten,
- Bibliotheksbesuche (neben den regelmäßigen Bücherbusfreitagen) arrangieren,
- immer wieder auf unterschiedliche Weise Buchvorstellungen von (Lieblings) Büchern anregen und dabei auch Texte akzeptieren, die sie an sich im Unterricht nicht verwenden würden. Bücher in der Erstsprache der Kinder sind sehr willkommen.
- mit unterschiedlichsten (auch mehrsprachigen) Texten auf der Basis eines weiten Textbegriffs (Bilderbücher, literarische Bücher, Sachbücher, Zeitungen, Zeitschriften, Comics, Hörkassetten, Hör-CD´s, Videos, Computer ...) arbeiten, wodurch auch die individuellen und geschlechtsspezifischen Interessen der Kinder angesprochen werden.
Dabei tauschen sich die Kinder in allen Klassenstufen immer wieder über ihre Leseinteressen aus und dokumentieren sie in Materialien wie dem
- Lese-Steckbrief,
- Leseratten-Interview
- „Grips-Lesejahr“ usw.
- und außerdem im Dauer- Schulprojekt: „Die rote Lesecouch“.
Mein Kurzweil aber ist gewesen, von Jugend auf Bücher zu lesen. Hans Sachs
Entwicklung von Dekodierfähigkeit
Lesesicherheit und Leseflüssigkeit entwickeln sich nach der
Phase des Schriftspracherwerbs nicht von alleine weiter. In der
Grips-Grundschule trainieren daher die Kinder ihre
Dekodierfähigkeit individuell an ihrem Lernstand orientiert,
werden gefördert und gefordert. Nur wer sicher liest, wird
gerne lesen. Ein Lernen im Gleichschritt ist hier nicht
möglich, da die Fähigkeiten der Kinder eine
große Bandbreite aufweisen. Grundprinzip ist, dass das
üben der Lesesicherheit in Formen von Binnendifferenzierung
und Individualisierung und in sinnvollen Zusammenhängen und
unterschiedlichen Lernsituationen vollzogen wird.
Entwicklung von Lesestrategien
Grundlegende Aufgabe des Deutschunterrichts ist es auch, die bewusste
Anwendung wichtiger Lesestrategien auszubilden, die als Basis
für das gesamte Lernen anzusehen sind. „Die
Lesestrategien ermöglichen es den Schülerinnen und
Schülern, selbstständig Informationen aus Texten zu
entnehmen. Ausgehend davon lernen sie, Kerngedanken und
Zusammenhänge in Texten zu erkennen, Schlussfolgerungen zu
ziehen und Konsequenzen zu beschreiben.“ (Rahmenlehrplan
Deutsch Grundschule, S. 28)
Um diese Strategien erfolgreich zu vermitteln nutzt die
Grips-Grundschule den „Leselotsen“ (PISA-Koffer
bzw. Praxisbox Lesen/LISUM) ab Klasse 4. Für die Klassen 1-3
wird ein eigener „kleiner Leselotse“ entwickelt,
der einfacher angelegt ist und schon verschiedene Teilschritte des
„großen Leselotsen“ einübt:
Klasse 1/2/3:
- Vermutungen über den Text anstellen, Vorwissen aktivieren
- Unverstandenes im Text erkennen und unterstreichen
- Unverstandenes klären (nachlesen, nachfragen, evtl. nachschlagen)
- Wichtiges im Text unterstreichen (langsames Anbahnen dieser Strategie)
- Wichtiges wiedergeben
Klassen 4/5/6:
- Vermutungen über den Text anstellen, Vorwissen aktivieren
- Unverstandenes im Text erkennen und unterstreichen
- Unverstandenes klären (nachlesen, nachfragen, nachschlagen/recherchieren)
- Text in sinnvolle Abschnitte einteilen
- treffende Zwischenüberschriften formulieren
- Wichtiges im Text markieren
- Stichwortliste anlegen
- den Text mit Hilfe der Stichwörter zusammenfassen
- über den Erfolg der Teilschritte nachdenken (Metakognition)
Begleitung und Unterstützung individueller Leseprozesse
Nach dem neuen Rahmenlehrplan Deutsch ist es vorgesehen, dass jedes Kind mindestens zwei Bücher pro Schuljahr liest. Damit gleichermaßen Lesevergnügen und Lesekompetenz entwickelt werden, nutzt der Deutschunterricht in der Grips-Grundschule für das Lesen von Lektüren verschiedene Methoden, die eine Auseinandersetzung mit einem Text über einen längeren Zeitraum begleiten. Die Methoden zielen darauf ab, durch unterschiedlichste Leseaufgaben individuelle Leseprozesse anzustoßen, zu begleiten und zu unterstützen und somit ein tieferes Textverständnis zu erreichen. Dabei werden persönliche Bezüge zu Texten, aber auch eine systematische und genaue Erschließung initiiert.
Folgende Methoden/Instrumente werden u.a. konsequent im Deutschunterricht der verschiedenen Jahrgangsstufen genutzt:
- Lesekiste,
- Roter Faden,
- Lesebegleithefte,
- Zuhörhefte,
- Lesetagebücher,
- Leserolle (Lese-Portfolio),
- Antolin (interaktives Angebot),
- Ferienbuch-Flyer
- Lesekonferenz.
Folgende Absprachen für die Einführung der Methoden wurden getroffen, die auch den Schülerinnen und Schülern transparent gemacht werden sollen:
- Klasse 1/2:Lesekiste
- Klasse 2: erstes Lesebegleitheft (bzw. Zuhörheft)
- Klasse 3: Erstellung eines roten Fadens
- Klasse 4: Führen eines Lesebegleithefts zu einer Kinderzeitschrift
- Klasse 5: Erstellen einer Leserolle
- Klasse 6: deutsch-englisches Leseprojekt (z.B. Love that dog) mit Lesebegleitmaterial
Bücher, ein Haufen toter Buchstaben? Nein, ein Sack voll Samenkörner. Andre Gide
Lernstandsdiagnosen im Bereich Lesen
Für Lernstandsdiagnosen wird die Hamburger Leseprobe (von
Peter May, Helga Arntzen) genutzt. Auch führen die Lehrerinnen
einmal am Ende des Schuljahrs in den Klassen 1-4 den
Stolperwörtertest (von Wilfried Metze) durch.
Die 2. und 4. Klassen beteiligen sich an den landesweiten
Orientierungs- bzw. Vergleichsarbeiten. Diese dienen zur Ermittlung des
individuellen Lernstands des Kindes wie auch zur Diskussion innerhalb
des Kollegiums bezüglich der von der Schule erreichten
Ergebnisse.
2. Lesen in allen Fächern
Wenn sich die Entwicklung von Lesekompetenz in der Schule auf alle
Texte (im Sinne des weiten Textbegriffs) beziehen soll, kann Lesen
nicht allein Gegenstand des Deutschunterrichts sein.
Das Lesen bestimmter Textformen, auch der nicht kontinuierlichen Texte
(=Tabellen, Diagramme, Karten ...) muss in den entsprechenden
Fächern thematisiert und es muss die fachspezifische
Lesekompetenz eingeübt werden. „Viele
Schüler mögen
in der Vergangenheit schlechte Fachnoten bekommen haben, nicht deshalb,
weil sie von den Inhalten selbst nichts verstanden haben, sondern
primär, weil sie die Fachtexte nicht lesen konnten, aus denen
sie lernen sollten.“ Diese Ansicht von Bettina Hurrelmann
(Professorin an der Universität zu Köln und Leiterin
der Arbeitsstelle für Leseforschung und Kinder- und
Jugendmedien) teilen wir und legen deshalb unser besonderes Augenmerk
in allen Fächern
- auf die Vermittlung von Lesestrategien. So wird auch in den Sachfächern der Leselotse genutzt und dadurch das verstehende Lesen von kontinuierlichen Sachtexten (=Fließtexten) befördert. Im Mathematikunterricht verwenden wir zum Lesen und zur Bearbeitung von Sachaufgaben den Mathekompass, Praxisbox Lesen).
- auf das Lesen nicht kontinuierlicher Texte, um so diese fachspezifische Lesekompetenz grundlegend einzuüben: Klassen 1/2: Lesen und Erstellen einfacher Tabellen Klassen 3/4:Lesen und Erstellen von Tabellen und einfachen Diagrammen Klassen 5/6: Lesen und Erstellen komplexerer Tabellen und Diagramme sowie Lesen thematischer Karten, Pläne usw.
- auf vielfältige Leseanregungen in den unterschiedlichen Fächern. Viele der Kinder haben ausgeprägte Sachinteressen, die sich oftmals auf Themen aus dem Unterricht beziehen. Bewusst stellen wir in den Klassenräumen zu Themen in allen Fächern auch Sachbücher, Zeitschriften (auch CD-ROMs) usw. zusammen, um die individuellen Sachinteressen der Kinder anzuregen und auch zu befriedigen.
- auf einen zunehmend sicheren Umgang der Kinder mit dem Computer, besonders im Bereich der Recherche. Es ist geplant, dass jedes Kind im Laufe seiner Grundschulzeit an der Grips-Grundschule einen Internet – Führerschein („Internet-Seepferdchen“) erwirbt.
3. Lesekultur
Lesekultur, die mit einer Gesprächs- und Schreibkultur verbunden sein soll, entwickelt sich nicht allein im Unterricht. Wenn Lesekultur ein Bestandteil von unserem Schulleben sein soll, muss Lesen auch über die Grenzen unserer Klassenräume hinausgehen. Dazu müssen immer wieder Rituale, Aktionen und Projekte angestoßen und entwickelt werden, die unsere Schule in Teilen oder als ganze über das Lesen von Texten und über Gespräche und Aktivitäten zu Texten verbindet und nach außen öffnet.
Folgende Formen von Lesekultur werden in unserer Schule praktiziert:
- Doppeljahrgangsstufe 1/2: Offenes Vorlesen
- regelmäßiges Lesen von persönlichen „Ferienbüchern“ mit anschließender Dokumentation und Präsentation des Gelesenen, z.B. in einem „Ferienbuch-Flyer“
- Einrichtung eines Lese- und Medienzimmers (Mediothek) zur Nutzung für alle Kinder möglichst auch zu bestimmten festen Zeiten an den Schulvormittagen
- Zukunftsprojekt: Möglichkeit der Lesepause im Lese-/Medienzimmer (1. Pause: Klassen 1-3, jeweils drei Kinder „mit Eintrittskarten“/ 2. Pause: Klassen 4-6, jeweils drei Kinder „mit Eintrittskarten“
- „Buch des Monats“: Veröffentlichung von Lesetipps für Kinder von Kindern auf der Homepage
- jährliche Projektwoche zum Thema „Lesen“ in Verbindung mit dem „Internationalen Literaturfestival Berlin“
- Mitglied im „Verein der Freunde und Förderer des Internationalen Literaturfestivals Berlin“; dadurch Ermöglichung einer Autorenlesung an der Schule (Projektwoche); regelmäßige Teilnahme von Klassen an Angeboten des ilb
- regelmäßige Teilnahme von Klassen an den „Berliner Märchentagen“
- Eltern-Kinder-Lesefeste in jeder Doppeljahrgangsstufe (Material LISUM Berlin)
- WUV- Angebote zum Lese-Schwerpunkt
- jährliche Schul-Aktionen am Welttag des Buches, dem 23. April
- Teilnahme am Vorlesewettbewerb (Börsenverein des Deutschen Buchhandels)
4. Kooperationen
Die Grips-Grundschule ist bei der Verwirklichung ihrer Ziele auf Unterstützung von Kooperationspartnern angewiesen.
Eltern:
Enge Kooperationen ergeben sich mit den Eltern unserer Schule, die dem
Profil „lesende Schule“ sehr positiv
gegenüber stehen.
Es gibt an der Grips-Grundschule eine Arbeitsgruppe
„Lesen“, die aus Eltern, Lehrerinnen, Lesepaten und
einer Erzieherin zusammengesetzt ist. Die Arbeitsgruppe hat sich die
Aufgabe gesetzt, Projekte zum Thema „Lesen“ zu
initiieren, zu begleiten und zu unterstützen (z.B. Projekt:
rotes Lesesofa).
Zudem ist geplant, Eltern aus anderen Herkunftsländern dazu zu
gewinnen, dass sie in den Klassen und bei Schulveranstaltungen in ihren
Muttersprachen vorlesen.
Übrigens: Das Thema „Lesen“ wird regelmäßig bei Elternabenden in den verschiedenen Jahrgangsstufen aufgerufen. In der Jahrgangsstufe 1/2 findet stets ein spezieller Elternabend (evtl. in Kooperation mit der Bibliothek) statt, der sich allein diesem Thema widmet (Anregungen und Material für diesen Elternabend aus dem Praxisbox Lesen). Evtl. Buchhandlung Anagramm um Kooperation bitten/Büchertisch an einem Abend in der Schule anbieten, an dem mehrere Elternabende stattfinden...
Weitere Lese-Kooperationspartner unserer Schule sind
- das „Quartiersmanagement Magdeburger Platz“,
- die „Kinder- und Jugendbibliothek Mitte“, die immer freitags auf unserem Schulhof vertreten ist und von zahlreichen Kindern regelmäßig genutzt wird,
- die Lesepaten des vbki,
- „Lesewelt e.V.“, die regelmäßig in unserer Schule eine Vorlesestunde anbietet
- das Grips-Theater
Zum Schluss: Wer Lesen lernt und wer Lesen lehrt, braucht einen langen Atem.
„Die guten Leutchen ... wissen nicht, was es einen für Mühe kostet, um lesen zu lernen. Ich habe 80 Jahre dazu gebraucht und kann noch jetzt nicht sagen, dass ich am Ziele wäre.“ Goethe zu Eckermann am 15.1.1830
Lesepaten
Seit April 2005 unterstützen uns 15 Lesepaten. Sie wurden über das „Netzwerk Bildung“ des VBKI (www.vbki.de) vermittelt. Unsere Lesepaten sind vornehmlich in den unteren Klassen eingesetzt. Nach Absprache mit den Klassenlehrerinnen fördern sie unsere Kinder mit viel Engagement.
Rotes Lesesofa
Angeregt durch das Projekt „Die rote Couch“ des Künstlers Heinrich Wackerbarth entstand an unserer Schule die Idee des „Roten Lesesofas“. Am Ende des Schuljahres 2004/05 wurden alle an der Schule Lernenden und Arbeitenden zu ihren speziellen Leseinteressen befragt und lesend auf dem „Roten Lesesofa“ fotografiert. Gefragt wurde: In welchem Buch würdest du gerne mitspielen? Welche Figur würdest du gerne sein? Warum? Die Ausstellung mit allen (über 300) Fotos und Texten wird beim „Tag der Offenen Tür“ der Grips-Grundschule am 16. September 2005 eröffnet.
Lesekoffer
Lesen ist auch Familiensache! In verschiedenen Schulen konnte nachgewiesen werden, dass Kinder, die von klein auf in ihren Elternhäusern Kontakt zu Büchern bekommen, meist ihre Lesefähigkeit positiv entwickeln können. Kinder aus schriftfernen Familien haben im Vergleich zu diesen Kindern einen deutlichen Nachteil. Deshalb wurden in verschiedenen Ländern, z.B. in den USA oder in Kanada, Konzepte zur Förderung der „family literacy“ entwickelt. Angeregt von dieser Idee entstand die Idee der Familien-Lesebox (Konzeption: LISUM Berlin, www.lisum.de), deren Einsatz ganz besonders in sozialen Brennpunktschulen Berlins in den Klassen der Schulanfangsphase zu empfehlen ist. Jede Klasse sollte über drei identische Familien-Leseboxen verfügen, die an einem Elternabend vorgestellt werden. Im Laufe des Schuljahres hat jede Familie die Möglichkeit ungefähr drei Wochen lang die Familien-Lesebox zu Hause zu haben, gemeinsam zu schmökern, zu lesen, vorzulesen, zu hören usw. So entsteht eine gemeinsame Leseerfahrung für alle Kinder der Klasse und ihre Familien.
Buch des Monats
April:
Christa Zeuch
Zusammen sind wir stark
Dezember:
Andreas Steinhöfel
Es ist ein Elch entsprungen
Carlsen - Verlag
September:
Chen Jianhhong
Der Tigerprinz
Moritz Verlag
August:
Knister
Hexe Lilli und der Ritter auf
Zeitreise
Mit Bildern von Birgit Rieger
Arena Verlag
Juli:
George Saunders/Lane Smith
Die furchtbar
hartnäckigen Gapper von Frip
Bloomsbury 2004
Ausführliche Informationen zu den Büchern finden Sie unter Schüler - Lesetipps
Schwerpunktbildung - Wahlunterricht verbindlich
Der „etwas andere“ Unterricht findet zwei Stunden pro Woche für die 5. und 6. Klassen statt. Zu Beginn jedes Schuljahres werden die neuen Kurse vorgestellt. Entsprechend ihrer Wünsche können unsere Schülerinnen und Schüler aus sprachlichen, künstlerischen, sportlichen und interkulturellen Angeboten wählen. Um möglichst viel auszuprobieren, besteht halbjährlich die Möglichkeit zum Wechsel der Kurse. Das Beste an diesem Unterricht: Es gibt keine Zensuren! Ab dem Schuljahr 2005/2006 werden wir verstärkt Kurse anbieten, die unserem Schulprofil „Lesende Schule“ entsprechen.
| Tag | Zeit | Klasse | Ort | Kurs | Lehrer |
|---|---|---|---|---|---|
| Mittwoch | 13.45 - 14.30 Uhr | Kl. 5/6 | R. 210 | Experimentieren | Fr. Ullrich |
| Mittwoch | 13.45 - 15.15 Uhr | Kl. 5/6 | R. 10 | Steitschlichter | Fr. Hämmelmann Fr. Westenberger |
| Mittwoch | 13.45 - 14.30 Uhr | Kl. 5/6 | Werkraum | Ton, Steine, Scherben | Fr. Serbser |
| Mittwoch | 13.45 - 14.30 Uhr | Kl. 5/6 | R. 111 | Have fun and become fit | Fr. Hinger |
| Mittwoch | 13.45 - 14.30 Uhr | Kl. 5/6 | Turnhalle | Tanzen | Fr. Richter |
| Mittwoch | 13.45 - 14.30 Uhr | Kl. 5/6 | Computerraum | Computer | Hr. Schütze |
| Mittwoch | 13.45 - 14.30 Uhr | Kl. 5/6 | R. 210 | Kunstabenteuer | Fr. Glase |
Förderung
Mütter-Kinder-Gruppen
Im Rahmen des DaZ werden in einigen Klassen unserer Schule Mü-Ki-Gruppen eingerichtet. Hier treffen sich Mütter nicht deutscher Herkunft, um zusammen mit ihren Kindern Methoden des Lernens kennen zu lernen. Auch werden Inhalte des Unterrichts stichpunktmäßig dargestellt und erläutert. Kurze Übungen wechseln mit Lernspielen ab. Gespräche über kulturelle Eigenheiten haben ihren Platz. Der Vorteil besteht darin, dass die Mütter sich gegenseitig etwas erklären können und mit ihren Fragen zum Unterricht nicht hilflos vor der Lehrerin stehen. Umgekehrt ist es für die Lehrerin eine Chance, mit Müttern ins Gespräch zu kommen, die sich dem schulischen Bezugsfeld auf Grund ihrer sprachlichen Schwierigkeiten lieber entziehen. So lernt z.B. eine arabische Analphabetin durch die Unterstützung in der Mü-Ki-Gruppe den Stundenplan lesen und schickt ihr Kind pünktlich zum Unterricht, und die Lehrerin erfährt von den häuslichen Nöten mit den Hausaufgaben und erklärt die Aufgaben noch einmal. Die Gewinner sind die Kinder, die Erwachsene um sich haben, die „am gleichen Strang ziehen“. Die Kinder freuen sich sehr auf diese Stunde, die oft die einzige in der Woche ist, in der sie die Mutter ganz für sich haben.
Förderunterricht
Unser Ziel ist es jeden Schüler bestmöglich zu fördern.
Förderung findet unmittelbar in jeder Stunde durch einen differenzierten Unterricht, durch Freiarbeit, durch Arbeit am Wochenplan, durch Projektunterricht und durch Methodenvielfalt statt.
Parallel zum Unterricht bieten wir einmal pro Woche Förderunterricht in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch an. Hier werden in der Regel leistungsschwache Schüler gefördert.
Leistungsstarke SchülerInnen haben die Möglichkeit ihr Wissen und ihre Fähigkeiten in einem speziellen Förderunterricht zu erweitern, beispielsweise im Deutschclub.
Für Schüler mit besonderen Stärken in einem Unterrichtsfach gibt es die Möglichkeit am Unterricht der nächsthöheren Klasse in diesem Fach teilzunehmen.
Deutsch als Zweitsprache (DaZ)
Sprachlos? - Nicht bei uns! Denn bei uns gibt es DaZ - Deutsch als Zweitsprache.
Wie unterrichten wir DaZ?
Es gibt DaZ-Kurse vor und nach dem regulären Unterricht und auch während des Unterrichtstages in Freistunden. Dazu wurde von den DaZ-Fachlehrern spezielles Arbeitsmaterial zusammengestellt. In den 5. und 6. Klassen arbeitet der DaZ - Lehrer zum Teil auch parallel zum Fachlehrer und kann so den Kindern bei schwierigen Fachtexten Hilfestellung leisten. Im kommenden Schuljahr werden wir einen Raum speziell als DaZ-Fachraum umgestalten.
Lese-Rechtschreibförderung (LRS)
WSEIO KNÖNEN SIE DEIESN STAZ LSEEN; OWHOBL DIE BCUTHSAEBN NCHIT IN DER RITHCIEGN RIEHNEFOGLE SHETEN?
Kinder, bei denen Lese - Rechtschreibschwächen (LRS) festgestellt wurden, erhalten spezielle Förderstunden. LRS - Kindern fällt es schwer zu lernen, wie Laute in geschriebene Buchstaben übersetzt werden. Deshalb wird die Wahrnehmung geübt, denn oft können Augen und Ohren nicht die Reihenfolge einzelner Buchstaben und Laute richtig herausfinden.
Einzelintegration
Um Schüler mit Defiziten in einem Bereich bestmöglich zu fördern findet bei uns Einzelintegration statt. Der Integrationsunterricht erfolgt hierbei parallel zum allgemeinen Unterricht.
Binnendifferenzierung
Auf die Stärken und Schwächen jedes einzelnen Kindes wird eingegangen.
Die Kinder werden gefordert und nicht über- oder unterfordert.
Die Kinder werden bei ihrem individuellen Leistungsstand „abgeholt“.
Das bewusste, selbstständige Handeln jedes einzelnen Kindes wird gefördert und sein Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gestärkt. Jedes Kind soll erfahren, dass es fähig ist, etwas zu leisten.
Binnendifferenzierung findet bei uns statt
- im Klassenunterricht: durch die Arbeit an einem Thema auf unterschiedlichem Niveau, in unterschiedlicher Zeit oder auf unterschiedlichen Wegen,
- in der Wochenplanarbeit durch individuelle Aufgabenstellungen,
- in der Freien Arbeit,
- durch die Orientierung an den Grundgedanken Maria Montessoris, nämlich Selbsttätigkeit und freie Wahl in einer vorbereiteten Umgebung und
- den Einsatz des entsprechenden Materials.
Flexible Schuleingangsphase
Die Schulanfangsphase an der Grips – Grundschule (Klassenstufe 1- 3)
In unserer Schule leben und lernen ganz unterschiedliche Kinder
gemeinsam: Mädchen und Jungen, große und kleine
Kinder, Kinder aus den verschiedensten Kulturkreisen, Kinder mit und
ohne Behinderung ....
Unsere Schule ist eine Gemeinschaft, die aus vielen Individuen besteht
und ein gemeinsames Ziel hat: das erfolgreiche Lernen für
jeden.
Wir unterrichten nach den geltenden Rahmenplänen für
die Berliner Grundschule. Darüber hinaus haben wir ein
spezielles Schulprofil entwickelt, um den verschiedenen
Bedürfnissen der Kinder möglichst gut gerecht zu
werden.
Pädagogische Ziele:
Es ist unser Ziel, dass jedes Kind seine obere Leistungsgrenze
erreicht. Diese individuelle Grenze kann weit über einer Norm,
aber auch weit darunter liegen.
Allen Kindern einer Klasse ein passendes Lernangebot zur
Verfügung zu stellen und gleichzeitig das gemeinschaftliche
Leben und Lernen zu fördern, ist die wichtigste
alltägliche Aufgabe für die Pädagoginnen und
Pädagogen an unserer Schule.
Gerade in der Schulanfangsphase hängt die Lern- und
Leistungsmotivation der Kinder davon ab, dass jedes Kind Lernerfolge
erzielt und diese auch wahrnimmt. Das Vertrauen in die eigenen Lern-
und Leistungsfähigkeit, ein gestärktes
Selbstwertgefühl und eine gute Selbsteinschätzung
sind neben Sach-, Methoden- und Sozialkompetenz wesentliche
Voraussetzungen für das weitere schulische Lernen.
Kinder lernen bei uns noch viel mehr als lesen, schreiben und rechnen, sie lernen:
- Selbständig, selbstverantwortlich und konzentriert zu arbeiten (Wochenplan/Stationen lernen/Projekte)
- anderen aufmerksam zuzuhören und sich selbst einzubringen (Morgenkreis/Gespräch/Klassenrat)
- sich verantwortlich zu fühlen für die Klassengemeinschaft, Aufgaben zu übernehmen (Mitgestaltung des Unterrichtstages/Klassendienste)
- Probleme zu erkennen und zu lösen, neue zu Sachverhalte entdecken, gemeinsam zu handeln und zu arbeiten (Projekte/Lernen an außerschulischen Lernorten)
- Phantasie und Kreativität zu entwickeln und den Mut haben, dies auszudrücken (Aufführungen/Feiern/Feste)
- sich zu helfen und Rücksicht zu nehmen im Zusammenleben, selber Hilfe anzunehmen
- sich mit der eigenen Lebenssituation auseinander zu setzen und das Anderssein anderer zu akzeptieren
- Konflikte friedlich auszutragen und durch gemeinsam vereinbarte Regeln beizulegen(Klassenrat)
Zur Verwirklichung unserer Ziele nutzen wir viele Ideen und Materialien
der Reformpädagogik (Petersen, Montessori ...)
Die Ganztagsschule ermöglicht es uns, das gemeinsame Lernen
nicht nur auf die Unterrichtszeit zu beschränken. Eine enge
Zusammenarbeit von Lehrerinnen und Lehrern mit Erzieherinnen und
Erziehern sowohl im als auch außerhalb des Unterrichts
führt zu besseren Lernchancen für jedes Kind.
Vielfalt und Gemeinsamkeit – Die Heterogenität als Chance, auch im jahresübergreifenden Lernen (JÜL)
Um diesen Zielen noch besser gerecht werden zu können begannen wir im Schuljahr 2007/2008 in der Schulanfangsphase mit dem Aufbau jahrgangsübergreifender Klassen.
Der Schulversuch in Berlin und die Erfahrungen der
Reformpädagogik haben gezeigt, dass es im
jahrgangsübergreifenden Lernen noch besser gelingt, der
Heterogenität der Kinder gerecht zu werden:
Jedes Kind, das neu in die Schule kommt, findet in seiner Klasse
bereits Kinder vor, die sich auskennen, die wissen, wie das Lernen
funktioniert, die zeigen, wo die eigene Anstrengung hinführt.
So erhält jedes Kind mehr Zuwendung, als die einzelne Lehrerin
allein ihm geben kann. Eingeführte Regeln, Rituale und
Arbeitsformen werden weitergegeben und müssen nicht immer
wieder neu eingeführt werden.
Jedes Kind ist mal „Anfänger“ und mal
„alter Hase“, mal leistungsstärker oder
leistungsschwächer.
Jedes Kind kann seinen individuellen Lernweg gehen und zwei, drei oder
vier Jahre in der Lerngruppe bleiben, ohne die
Klassengemeinschaft verlassen zu müssen.
Anschließend rückt es dann immer gemeinsam mit
anderen Kinder aus der Klasse in die nächsthöhere
Klassenstufe (Klasse 4) auf.
Bisher haben wir in der Schulanfangsphase (Klasse1 und 2) und in den Projektwochen bereits Erfahrung im jahrgangsübergreifenden Lernen gesammelt. Zusammen mit den Erfahrungen unserer Pädagoginnen und Pädagogen im binnendifferenzierten Unterricht und mit der Integration von Kindern mit speziellem Förderbedarf verfügen wir so über eine gute Grundlage, um den Schritt zum jahrgangsübergreifenden Lernen in der Schulanfangsphase (Klasse 1 - 3) gehen zu können.
Fremdsprachen
Ab Klasse 3 erlernen Kinder die erste Fremdsprache im regulären Unterrichtfach. Zur Wahl stehen an der Gripsgrundschule Englisch und Französisch. Vorbereitend dazu findet für die Eltern der Zweitklässler zu diesem Thema ein spezieller Elternabend statt. Anschließend können sich die Eltern gemeinsam mit ihren Kindern entscheiden, an welchem Fremdsprachenunterricht teilgenommen werden soll.
Französisch an der Grips-Grundschule
An der Grips-Grundschule wurde im Jahre 2004 aufgrund der Nachfrage vieler Eltern ein Französischlernangebot in Form von Arbeitsgemeinschaften gestartet. Diese Arbeitsgemeinschaften wurden zunächst von den Eltern mit Hilfe des Stadtteilvereins Tiergarten e.V. und unter Mitwirkung von Miriam Mueller (Vorsitzende eines Vereins zur Förderung bilingualer Erziehung www.initiale.org) selbst organisiert.
Seit November 2004 führen wir AG's durch, in denen Kinder in zum Teil altersgemischten Gruppen die französische Sprache erlernen können. Im offenen Ganztagsbetrieb wird das Sprachkonzept durch einen französischen Muttersprachler als Erzieher unterstützt. Ziel ist es, den Kindern auf spielerische und leichte Art die französische Sprache näher zu bringen. Seit dem Schuljahr 2006/2007 wird an unserer Schule nun auch ein Französischsprachkurs innerhalb des regulären Unterrichts in Klasse 3 angeboten.
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